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30 Jahre Einheit

Einheit bedeutet, Vielfalt zu feiern und den Hasspredigern das Handwerk zu legen.

„Als muslimische Glaubensgemeinschaft, die Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt, ihre Heimat begreift, ist das 30-jährige Jubiläum der deutschen Einheit ein besonderes Ereignis.
 
Einheit bedeutet, Vielfalt zu feiern und den Hasspredigern das Handwerk zu legen. Viele Musliminnen und Muslime, die selbst oder durch ihre Eltern eine Einwanderungsgeschichte haben, fragen sich trotzdem, ob oder inwieweit sie der höchste deutsche Nationalfeiertag überhaupt betrifft.

Als sich der deutsche Traum einer Wiedervereinigung erfüllte, waren viele der heute in Deutschland sozialisierten Musliminnen und Muslime entweder noch sehr jung oder noch gar nicht geboren; andere fühlten sich vielleicht nur als Gäste – oder ihnen wurde das Gefühl gegeben, nur geduldet zu sein. Man könnte denken, die deutsche Einheit geht Menschen mit Migrationshintergrund nichts an.

Heute haben wir eine junge Generation von Musliminnen und Muslime, die zum überwältigenden Teil in unserer Gesellschaft aufwuchs, deutsche Kindergärten und Schulen besuchte, hier ihre Ausbildung oder ihr Studium absolvierte. Diese haben immer noch nicht das Gefühl, ein gleichwertiger Teil dieser Gesellschaft zu sein.

Dreißig Jahre nach der deutschen Einheit sehen wir uns einer politischen Strömung gegenüber, die auf dem Rücken von Minderheiten ihre populistische Zwietracht ins Mark unserer Gesellschaft hineingetragen hat. Dreißig Jahre nach der deutschen Einheit müssen wir als Einwanderungsgesellschaft den Ost-West-Konflikt überwinden und unsere Gesellschaft für hier aufgewachsene und sozialisierte Migrantenkinder öffnen. Nur wenn wir in Einigkeit allen Teilen und Mitgliedern unserer Gesellschaft einen gerechteren Zugang zur Mitwirkung und damit zu ihrer Entfaltung geben, können wir alle Potentiale nutzen und uns angesichts der globalen Herausforderungen unserer Verantwortung stellen.
 
Seit Jahren haben es sich muslimische Organisationen in Deutschland zur guten Tradition gemacht, die Türen ihrer Gotteshäuser zu öffnen und die Hand reichend alle Interessierten einzuladen. Trotz der Corona-Beschränkungen halten die Musliminnen und Muslime als Teil der deutschen Einheit an dieser Tradition fest. Unlängst haben Musliminnen und Muslime verinnerlicht, dass auch sie Teil der deutschen Einheit sind - und dass die deutsche Einheit auch ihre Einheit ist"


Khallad Swaid
DMG-Präsident
Berlin, 03.10.2020