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Ausschreitungen gegen Frankfurter Polizei

DMG in Sorge über mögliche Folgen für unsere Gesellschaft

„Wir sind über die möglichen gesellschaftlichen Folgen solcher Eskalationen zutiefst besorgt“, sagte Khallad Swaid, Präsident der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft, angesichts der gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Polizei in Frankfurt am Wochenende. „Gewalt gegen unsere Ordnungshüter und die mutwillige Zerstörung von öffentlichem wie privatem Eigentum sind nicht hinnehmbar“, führte Swaid weiter aus.

Zusammenstöße wie jene am Wochenende sind nicht nachvollziehbar und bergen die Gefahr für noch mehr Gewalt. Laut Frankfurter Polizeipräsident stellten Männer mit "Migrationshintergrund" die Mehrheit der Festgenommen. Unlängst orientiert sich unser Entrüstungsgrad an der Herkunft des Täters genau so stark wie an der Tat selbst und Journalisten werden nicht müde, diese Frage in den Raum zu werfen. Damit wird der Begriff des sogenannten "Migrationshintergrunds" stigmatisiert und mit ihm eine ganze Minderheit. Es droht darüber hinaus im Angesicht der vom Innenminister gestoppten Studien und weltweiten Protesten gegen Polizeibrutalität das Aufspielen von Polizei gegen weite Teile der Bevölkerung. Als Deutsche Muslimische Gemeinschaft rufen wir alle gesellschaftlichen Akteure zu Besonnenheit auf. Chaoten repräsentieren nur sich selbst!  Auch verlieren in Deutschland viele Menschen mit "Migrationshintergrund" aufgrund ihrer Erfahrungen mit Rassismus oder Racial Profiling immer mehr Vertrauen in die Polizei und begegnen ihr zum Teil mit großem Unbehagen. Diese Entwicklung ist deswegen gefährlich, weil wir alle die Polizei als unseren Freund und Helfen brauchen und uns immer auf sie verlassen können müssen. Der kulturelle oder ethnische Hintergrund eines Menschen hat keinen Einfluss auf seinen Umgang mit der Polizei; Gesetze gelten für alle, ob Mann oder Frau, mit oder ohne "Migrationshintergrund", ob Polizeibeamter oder einfacher Bürger. Es ist aber zu befürchten, dass solche Eskalationen vor allem von radikalen und extremen Spektren der Gesellschaft ausgenutzt werden, um bestehende Gräben zu vertiefen. Der Migrationshintergrund der Täter wird dann als Beweis herangezogen, um dem „fremden Ausländer“ seine Gewaltbereitschaft und Gesetzesuntreue zu attestieren – ein „echter Deutscher“ würde sich ja niemals an Krawallen beteiligen. „Vorfälle wie in Frankfurt dürfen wir nicht kleinreden“, so Swaid, „Grenzen wurden deutlich überschritten. Wir sollten aber darauf achten, besonnene Schlüsse aus ihnen zu ziehen.“

Die Deutsche Muslimische Gemeinschaft wünscht den verletzten Polizisten eine baldige Genesung und unterstützt die Stimmen aus der Polizei, die sich für eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Rassismus in eigenen Reihen wünschen.

Berlin, den 22.07.2020