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CEM und DMG räumen schwere Versäumnisse ein

Im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzung der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft (DMG) mit dem Bundesinnenministerium erfuhr die DMG zum ersten Mal von schwerwiegenden Vorwürfen, die ein nicht akzeptables, von einem Mitglied des Bildungsreferat des Council of European Muslims (CEM) erstelltes Dokument, betreffen. Die DMG forderte umgehend eine Stellungnahme sowie eine umfassende und detaillierte Aufarbeitung zur Herkunft des Dokuments. Der CEM Aufsichtsrat setzte daraufhin eine Untersuchungskommission ein, zu der Samir Falah, Präsident des CEM sagte: „Es ist unsere Aufgabe, schwerwiegende individuelle und institutionelle Versäumnisse transparent und nachvollziehbar aufzuarbeiten“. Noch während der Untersuchungsphase begann die DMG mit der Entwicklung und Adaption eines Bildungskonzepts in deutscher Sprache, das in Kürze den Mitgliedern vorgestellt sowie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Khallad Swaid, Präsident der DMG, äußerte sich bei der Präsentation der Ergebnisse der fast einjährigen Arbeit der Untersuchungskommission wie folgt: „Gerade in einer Phase, in der wir unsere Institutionen auf europäischer und nationaler Ebene neu ausrichten und uns selbstkritisch hinterfragen, ist es unabdingbar, eine Kultur der Verantwortung und Transparenz gegenüber den Mitgliedern und der Öffentlichkeit zu etablieren“. Die misslichen Vorgänge seien rekonstruierbar, sodass die Kommission zum Ergebnis gekommen sei, dass die Gemeinschaft nachhaltige Konsequenzen ziehen müsse. Um Transparenz zu schaffen, veröffentlicht die DMG eine Zusammenfassung der Ergebnisse:

Ein einzelnes Mitglied des CEM Bildungsreferats hat im Zeitraum 2010 – 2011 eine Sammlung aus unterschiedlichen arabischsprachigen Schriften erstellt. Die am 8. Oktober 2011 vom Bildungsreferat eingesetzte Arbeitsgruppe hat das Dokument nach anfänglicher Prüfung jedoch aufgrund der vielen Anmerkungen verworfen. Daher ist es nie von einem Gremium der CEM zur Verwendung freigegeben worden. Dies erklärt aus Sicht der Kommission auch den zunächst verwunderlichen Umstand, dass das Dokument nur als Entwurf vorliegt: Es enthält zwar den Namen der Federation of Islamic Organisations (ehemaliger Name der CEM), vermisst aber das Logo sowie ein Datum der Erstellung und liegt nur als Word-Datei vor.

Drei Jahre nachdem das Dokuments bereits verworfen war, 2014, wurde es an ein Mitglied der DMG weitergereicht. Auch Verantwortliche in der DMG haben das inakzeptable Dokument ohne Rückfrage an die CEM zum Freigabestatus und ohne Prüfung und Beschluss an einen begrenzten Kreis verteilt. „Bei kritischer Durchsicht des Dokuments musste die Untersuchungskommission fassungslos und zum Teil erschüttert feststellen, dass mehr als 50 befremdliche Passagen enthalten sind, die im eklatanten Widerspruch zum Islamverständnis, den gesellschaftlichen Vorstellungen und den seit der Gründung bestehenden Positionen des CEM und der DMG stehen. Striktere Prüfverfahren sind eine institutionelle Lektion, die wir aus diesem Debakel bereits gelernt und umgesetzt haben,“ fügte Swaid an.

„Trotz der Tatsache, dass das nicht akzeptable Dokument verworfen wurde, haben wir durch Nachlässigkeit im Umgang damit leider bestehende Vorurteile bekräftigt. Es wäre der falsche Schritt, Ausflüchte zu suchen. Die zwangsläufig folgende Kritik müssen wir uns zu Herzen nehmen. Es ist nun an uns, durch Worte und Taten, durch eine transparente Aufarbeitung Vertrauen zu schaffen und mit Hilfe der Kritik die Neuausrichtung unserer Institutionen zukunftsorientiert zu gestalten“, sagte Falah abschließend.

Berlin, den 05.08.2020