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Coronavirus: Eine Charakterprüfung

Khallad Swaid, Präsident der DMG, über spirituelle und charakterliche Aspekte in einer Zeit der Krise.

„Die Bilder der leeren Moschee in Mekka haben in manchen von uns mehr aufgewühlt als die Leichensäcke aus dem chinesischen Wuhan. Nun, da das Coronavirus auch in Deutschland angekommen ist, in Österreich sogar flächendeckend vom IGGÖ das Freitagsgebet ausgesetzt wird, erleben wir unter Muslimen leider nur oberflächliche, aber kaum spirituelle Reaktionen auf die Krise.

Über das Für und Wider, das Freitagsgebet auch in deutschen Moscheen nicht mehr stattfinden zu lassen, wird übermäßig diskutiert. Welchen Beitrag Muslime in dieser Krise leisten möchten, wie wir ältere Menschen schützen können und ob wir es mit unseren Werten in Einklang bringen können, jene Dinge massenweise zu horten, die bedürftigeren Menschen nun fehlen, scheint an uns vorbeizugehen. Gott zeichnete die Nächstenliebe der Helfer in Medina (Ansar) zur Zeit des Propheten Muhammad, Friede sei auf ihm, mit den Worten aus „(…) und sie ziehen sie sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erlitten. (…)“ (Koran, 59:9)

Das Coronavirus ist eine Charakterprüfung: Denken wir zuerst an uns selbst oder an die anderen? Wo können wir insbesondere älteren Menschen aus unserem Umfeld helfen? So wichtig das Freitagsgebet auch ist, so ist das Leben und der Schutz unserer Mitmenschen wichtiger! Welche Angebote können wir in unseren Gemeinden entwickeln, um Schutzbedürftigen und Nachbarn zu helfen? Möge Gott, der Allmächtige, uns als Einzelne und als Gesellschaft helfen, den richtigen Weg aus dieser Situation zu finden. Möge Er Deutschland und alle Menschen vor Übel bewahren."

Khallad Swaid, Präsident der DMG