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IGD zum Weltfrauentag

Gedanken des IGD-Präsidenten

Jedes Jahr bietet der Internationale Frauentag Anlass innezuhalten, zurückzublicken und auf bestehende Herausforderungen hinzuweisen. Leider muss konstatiert werden, dass bei der Gleichberechtigung der Geschlechter noch ein weiter Weg vor uns zu liegen scheint. Das zeigt uns die aktuelle #MeToo Debatte. Unsere Gesellschaft diskutiert beispielsweise seit Jahren, ob gesetzliche Quoten dem geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft Abhilfe schaffen könnte und beim aktuellen Bundestag geht der Frauenanteil zurück. Auch die Themen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit oder die Anerkennung der Leistung derjenigen Frauen, die sich entscheiden, ihren Fokus auf ihre Familie zu legen, sind noch lange nicht ausdiskutiert. Über die muslimische Frau und insbesondere ihre Kleidung wird in unserer Gesellschaft häufig gesprochen bzw. wird ihr die Entscheidungsfreiheit abgesprochen, sich so zu kleiden, wie sie es für richtig hält. Noch immer werden bei uns in Deutschland Gesetze erlassen, die quasi Berufsverboten gleichkommen und es wird allen Ernstes diskutiert, dass muslimische Frauen ausschließlich von ihren Männern unterdrückt werden.

Hierzu sagt Khallad Swaid, der Präsident der IGD:

Viele Frauen, angefangen bei Asia, die Moses (Friede sei mit ihm) gerettet hat, über Maria, der Mutter von Jesus (Friede sei mit ihm) und Aisha der Frau des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) über viele Jahrhunderte hinweg bis zum heutigen Tag, haben auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens Großes geschaffen. Dass die erste Universität der Welt in al-Qarawiyīn in Marokko von einer Frau, Fatima al-Fihri, im Jahr 859 gegründet wurde, weiß heute kaum einer. Das Erbe dieser Frauen haben wir leider vergessen. Wir, die Muslime in Deutschland und unsere Organisationen müssen selbstkritisch feststellen, dass wir uns der Herausforderung, Frauen gleichberechtigt zu behandeln und sie zu beteiligen, nicht ausreichend gestellt haben. Noch immer gibt es auch in unserer Mitte Männer, die Frauen Rechte absprechen. Auch ist häusliche Gewalt ein Thema, dem wir uns viel offensiver stellen sollten. Hier müssen wir noch viel mehr unsere Hausaufgaben machen und nachhaltige Aufklärungsarbeit leisten. Jedoch bin ich guten Mutes, dass die positive Entwicklung der letzten Jahre weitergeht, weil immer mehr muslimischen Frauen von heute ihre Rechte und ihren Platz in der Gemeinschaft einfordern. Es gilt sie hierbei zu stärken und zu unterstützen. Das ist mir ein Herzensanliegen.

Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland begrüßt, unterstützt und ist bereit zur Mitarbeit bei all jenen Initiativen, die sich der Stärkung der im Grundgesetz verbürgten Rechte auf Menschenwürde, körperliche Unversehrtheit, Religions- und Meinungsfreiheit sowie des gesundheitlichen, wirtschaftlichen und geistigen Wohlbefindens von Frauen widmen, insbesondere wenn es um muslimische Frauen geht.