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Empfehlungen im Falle einer Wiedereröffnung der Moscheen

Gotteshäuser könnten bald wieder öffnen - wie sollten wir als Moscheen verfahren?

As-salāmu ʿalaykum wa-raḥmatu-llāhi wa-barakātuh,

aus aktuellem Anlass hat die Deutsche Muslimische Gemeinschaft am Sonntag, den 19. April 2020, zu einer Webkonferenz mit Fachmedizinern, Islamgelehrten und Verantwortungsträgern von Moscheen eingeladen. Zur Debatte standen die möglichen Beschränkungslockerungen gegenüber Gotteshäusern in den einzelnen Bundesländern, wie sie derzeit mit allen Religionsgemeinschaften auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert werden. Dabei begrüßen wir es als DMG, dass der Staat in Anerkennung der gesellschaftliche Relevanz von Gottesdiensten mit den Religionsgemeinschaften in den Dialog getreten ist. Lobenswert ist der Einsatz verschiedener Akteurinnen und Akteure für Religionsfreiheit, die dieses wichtige Grundrecht einfordern. Die noch zur Diskussion stehenden Lockerungen und der Wille, die Türen unserer Moscheen besonders im heiligen Monat Ramadan wieder zu öffnen, entbinden uns nicht von unserer Verantwortung, alle diskutierten Lösungsvorschläge im Interesse unserer Gesellschaft sowie im Geiste unserer Religion zu bewerten. Unsere Religion wertet das Leben als eines der höchsten schützenswerten Güter, sodass wir den Verzicht auf unsere Moscheen – auch wenn unsere Herzen natürlich mit Sehnsucht erfüllt sind – ruhigen Gewissens hinnehmen können. Leben zu bewahren ist in unserer jetzigen Lage die höchste Priorität und eine der besten Formen des Gottesdienstes. Wir alle sind uns bewusst, dass aufgrund der Pandemie größere Versammlungen von Menschen weiterhin mit einem hohen Risiko verbunden sind. Abzusehen ist, dass sich nur eine begrenzte Anzahl an Personen mit einem entsprechenden Mindestabstand versammeln werden darf. Ein Gebet mit großen Abständen zwischen den einzelnen Betenden erfüllt laut der Fatwa der Gelehrten des European Council for Fatwa and Research (ECFR) und den von uns zu Rate gezogenen Gelehrten weder der vom Propheten überlieferten Form noch dem Geist eines Gemeinschaftsgebets und kann daher kein Ersatz dafür sein. Aus diesen und weiteren Gründen und zum Wohle unserer Gesellschaft sowie den Mitgliedern der Gemeinden rät die DMG dazu, die Moscheen vorerst nicht für gemeinsame Gottesdienste (Freitagsgebet, Gemeinschaftsgebet, Tarawihgebet, etc.) zu öffnen. Besuche einzelner Gläubiger und ihre Beratungen durch Imame sollte möglich sein.

Für den Fall, das sich einzelne Gemeinden für eine Öffnung entscheiden, was aufgrund der regionalen Gegebenheiten unterschiedliche bewerten werden könnte, betont die DMG, dass staatliche Auflagen strengstens einzuhalten sind. Wir empfehlen in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden für die einzelne Moschee ein Hygiene- und Präventionskonzept zu erstellen. Darin könnten folgende Punkte Berücksichtigung finden:

  • Die Anzahl von Personen, die sich gleichzeitig in der Moschee aufhalten dürfen, sollte für jeden kenntlich gemacht und strikt eingehalten werden.
     
  • Um Infektionsketten nachverfolgen zu können, sollten sich Besucher mit Uhrzeit in eine Liste an der Tür eintragen müssen.
     
  • Schuhe sollten draußen vor der Moschee ausgezogen und nicht mit ins Gebäude gebracht werden. Soweit möglich sollten Schutzhüllen über die Socken gezogen werden, wie man sie aus Operationssälen kennt.
     
  • Desinfektionsmittelspender sollten an allen Eingängen und Innentüren zur Verfügung stehen.
     
  • Türen, Griffe sowie der Moscheeinnenraum sind regelmäßig zu desinfizieren.
     
  • Die Gebetswaschung sollte bereits zuhause vorgenommen werden, um Kontakt mit Menschen und Oberflächen in den Bädern weitestgehend zu verringern. Gegeben falls sind die Waschräume zu verschließen.
     
  • Auf Stoffhandtücher ist in jedem Fall zu verzichten, stattdessen sollten Papierhandtücher verwendet werden, die nach Benutzung sofort entsorgt werden.
     
  • Einlass in die Moschee darf nur mit Mundschutz gewährt werden. Eventuell sollten die Gemeinden Mundschutz vorhalten, um sie Besuchern geben zu können.
     
  • Bei Begrüßungen oder Verabschiedungen ist auf Händeschütteln, Umarmung oder anderer Körperkontakt gänzlich zu verzichten.
     
  • Das Gebet sollte auf eigenen, mitgebrachten Teppichen verrichtet werden. Alternativ können wegwerfbare Papierfolien, wie man sie vom gemeinsamen Fastenbrechen kennt, als Gebetsunterlage verwendet werden.
     
  • Nach jedem Gebet sollte die Moschee gründlich durch das Öffnen der Fenster gelüftet werden. Der Filter der Klima- und Lüftungsanlagen ist zu reinigen, besser noch sollte auf diese gänzlich verzichtet werden.
     
  • Bei einem eventuellen Freitagsgebet sollten nur jene Besucher zugelassen werden, für die das Freitagsgebet verpflichtend ist.
     
  • Masahif und andere Bücher sollten aus den zugänglichen Bereichen der Moschee entfernt werden. Wer aus dem Koran lesen möchte, kann sein eigenes Exemplar mitbringen.
     
  • Es kann mehr als ein Freitagsgebet pro Moschee verrichtet werden. Die Freitagsansprache sollte möglichst kurz gehalten werden.
     
  • Gläubige sollen sich nicht länger als nötig in der Moschee aufhalten.
     
  • Wenn aufgrund der beschränkten Personenanzahl eine Auswahl für die Gemeinschaftsgebete vorgenommen werden muss, muss diese gerecht und ohne jede Diskriminierung erfolgen.
     
  • Auf Essen und Trinken in der Moschee soll gänzlich verzichtet werden. Wenn Wasser zur Verfügung gestellt wird, darf jeder nur einen Einwegbecher verwenden.

Um Spenden für das Fastenbrechen im Ramadan zu ermöglichen, kann das Essen zubereitet und in einzelnen Portionen abgepackt ausgegeben werden. Alternativ kann zur Unterstützung mit lokalen Restaurants eine Vereinbarung getroffen und an Fastenbrechende Coupons verteilt werden, die diese einlösen können.

Wir werden regelmäßig mit Fachmedizinern, Islamgelehrten und Verantwortungsträgern der Moscheen eine Bewertung der Situation vornehmen und wenn nötig, unsere Empfehlung anpassen.

Wa-salāmu ʿalaykum wa-raḥmatu-llāhi wa-barakātuh
Khallad Swaid
Präsident der DMG