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Im Gedenken an Hanau

Vor einem Jahr ermordete ein Rechtsextremist zehn Menschen. Heute gedenken wir ihrer.

Vor einem Jahr wurden in Hanau zehn Menschen ermordet. Ihnen wurde das Leben geraubt, weil sie “anders” waren, ihre Namen, ihr Aussehen, ihre Kultur und Religion. Genauer müsste es heißen: Weil ein rechtsextremer Terrorist nicht mit Vielfalt leben wollte.

Unsere Gesellschaft fußt auf einem friedlichen und respektvollen Miteinander, auf dem Grundrecht, anders und doch willkommen und gleichwertig zu sein. Rassismus höhlt dieses wundervolle Prinzip aus, sodass der Anschlag von Hanau heute ein Mahnmal dafür ist, wohin Hass und Extremismus führen können. Doch es wäre zu naiv und pietätlos gegenüber den Opfern, Hanau nur als schrecklichen Einzelfall zu sehen, der sie aus heiterem Himmel traf. Der Anschlag von Hanau ist das Ergebnis einer langen Vorgeschichte, an der Teile unserer Gesellschaft bewusst und unbewusst beteiligt sind. Es ist die Stigmatisierung von Musliminnen und Muslimen und ihre Ausgrenzung und Benachteiligung auf den unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen, die rechtsextremer Gewalt den Weg ebnen. Dabei sind es natürlich geistige Brandstifter insbesondere aus Politik und Medien, die eine solche Entwicklung beflügeln. Zu kurzsichtig wäre es aber, nur auf sie zu zeigen. In Deutschland hat sich eine Kultur des Wegschauens, vielleicht der Gleichgültigkeit entwickelt, wenn es um Rassismus geht. Dass sich aber alle in unserem Land wohl und sicher fühlen, ist unser aller Verantwortung. Allein von Oktober bis Dezember des letzten Jahres wurden fast 200 islamfeindliche Straftaten gemeldet, von Sachbeschädigung über Volksverhetzung bis hin zu Körperverletzung. Wir erleben, dass auf Kosten der muslimischen Minderheit Wahlkampf betrieben wird, dass Politiker “Moscheeregister” fordern, dass deutsche Sicherheitsbehörden sich weigern, sich mit strukturellem Rassismus auseinanderzusetzen. Wir erinnern uns an rechtsextreme Netzwerke in Polizei und Militär, die sich teilweise für einen Putsch vorbereiteten. Die Stimmen in unserer Gesellschaft, die sich lautstark für Vielfalt aussprechen, sind noch zu wenige.

“In tiefster Demut sprechen wir den Familien erneut unser Beileid aus, solche Wunden heilen nicht in einem Jahr, vielleicht tun sie es nie”, sagte DMG-Präsident Khallad Swaid, “heute gedenken wir Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili-Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoğlu und Gabriele Rathjen.”