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"Investigative Erkenntnisse" längst online

Die Stellungnahme der DMG zu einem Artikel im BR und SWR

„Investigativer Journalismus darf nicht zum verlängerten Arm von Sicherheitskreisen werden“, sagte DMG-Präsident Khallad Swaid angesichts der jüngsten Berichterstattung über die Deutsche Muslimische Gemeinschaft (DMG) beim Bayerischen Rundfunk und SWR. „Wir sind in einem Änderungsprozess und arbeiten an Transparenz, an der es in der Vergangenheit an manchen Stellen gefehlt hat“, so Swaid weiter. Leider erleben wir, dass einige Journalisten unreflektiert die Vorwürfe der Verfassungsschutzbehörden wiederholen und als investigative Erkenntnisse verkaufen. Alle Aktivitäten der DMG, einschließlich der Studienzirkel, sind öffentlich auf unserer Homepage einsehbar.

Wer sich Sorgen um die Aushöhlung unserer Demokratie macht, sollte rechtspopulistische Narrative kritisch hinterfragen und den Mythos eines bedrohlichen Islam nicht beflügeln. Die Gefahr für Deutschland geht nicht vom Dialog zwischen einem Priester und einem Imam aus, sie geht auch nicht von ehrenamtlich Engagierten in Moscheen aus. Wir wissen aus unzähligen investigativen Berichten – man denke an den NSU oder den Mord an Lübcke- wie tief Netzwerke Rechtsextremer mit ihrer kranken Ideologie in staatliche Strukturen eingedrungen sind. „Es ist kein gutes Signal für eine Gesellschaft, wenn eine religiöse Minderheit zum Politikum wird“, äußerte Swaid besorgt, „nicht nur wird rechtspopulistischen Gruppierungen und Netzwerken kaum noch Einhalt geboten, ihre Narrative wie eine Verschwörung zur Islamisierung Europas werden mittlerweile sogar von einigen öffentlich-rechtlichen Medien weitergetragen.“ Bei näherer Betrachtung der von den Journalisten ausgewählten Quellen und Experten wird deutlich, dass sie einer Bestätigungstendenz zum Opfer fallen und Forscher auswählen, die nachweislich aus islamfeindlichen Netzwerken kommen. Wenn darüber hinaus Islamkritiker wie Ahmad Mansour oder das vom israelischen Geheimdienst gegründete Medienportal MEMRI (https://www.theguardian.com/world/2002/aug/12/worlddispatch.brianwhitaker) unverhältnismäßig häufig in den Arbeiten des Autorenteams um Röhmel, Wolf und Beres auftauchen, wirf das Fragen auf.

Die DMG ist seit Jahrzehnten Vorreiter im Aufbau unabhängiger deutschsprachiger Angebote für Musliminnen und Muslime. Wer in einem halben Jahrhundert konsequenten Engagements für einen in Deutschland beheimateten Islam grundsätzlich eine Verschleierungsstrategie zu erkennen glaubt, entzieht jedem Dialog im Vorfeld seine Grundlage. Als eine der ältesten muslimischen Gemeinschaften in Deutschland lassen wir uns auf unserem Weg der Offenheit und des Dialogs nicht beirren und laden alle Neugierigen dazu ein, sich von uns und unseren Aktivitäten ein eigenes Bild zu machen.

Berlin den 24.06.2020