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Jahresrückblick 2021

Gedanken des DMG-Präsidenten

Das Jahr 2021 war ohne Frage von großen Veränderungen geprägt. Zuallererst war es natürlich das zweite Jahr, das wir unter Einschränkungen durch die Corona-Pandemie erlebten. Mittlerweile sind in Deutschland über 100.000 Menschen am Corona-Virus verstorben - viele von uns mussten selbst Verluste beklagen oder im Bekanntenkreis miterleben. Die meisten muslimischen Gemeinden haben inzwischen Wege gefunden, wie sie ihre Angebote und Programme mit den immer wieder wechselnden Gesundheitsvorschriften in Einklang bringen können. Es ist inspirierend und erfreulich zu sehen, wie viele Moscheegemeinden sich an Impfkampagnen beteiligt haben. Dennoch steht die muslimische Glaubensgemeinschaft noch vor großen Herausforderungen. Vielerorts wird berichtet, dass die Gemeinden nicht mehr im gleichen Maße besucht werden, dass “etwas fehlt”. Hat die Corona-Pandemie zu einem Abbruch der Beziehung zwischen einigen Gläubigen und der Moschee gesorgt? Handelt es sich nur um gesundheitliche Bedenken oder verbergen sich dahinter andere, bisher unerkannte Ursachen? Irgendwann wird es, so Allah will, einen Zeitpunkt nach der Pandemie geben, wenn alles wieder zur Normalität wird. Wir sollten uns bewusst sein, dass der Weg dorthin sich nicht von allein gehen wird, wir werden aktiv daran arbeiten müssen, einen Heilungsprozess in den Gemeinden zu fördern.

Wegweisend wird dieses Jahr waren auch die Bundestagswahlen. Mit dem Abschied von Angela Merkel als Bundeskanzlerin geht eine 16-jährige Ära zu Ende. Eine Dreierkoalition aus SPD, Grüne und FDP ist ein Novum für Deutschland und spiegelt eine veränderte Parteienlandschaft wider. Gleichzeitig deutet der neue Koalitionsvertrag einige Veränderungen im Umgang mit Religionsgemeinschaften an: Die Kooperation zwischen Staat und religiösen Körperschaften wolle man stärker ausbauen, neu gestalten. Auch dem Klimawandel möchte man sich anscheinend stärker widmen. Noch bleibt abzuwarten, was sich konkret ändern wird, doch höchstwahrscheinlich wird es nicht beim Alten bleiben.

Das letzte Jahr war natürlich nicht frei von Herausforderungen. Wir erinnern uns an eine Flutkatastrophe, die - gemessen an den Todesopfern - die schwerste Naturkatastrophe in Deutschland seit fast 60 Jahren gewesen ist. Wir erinnern uns auch an ein Urteil des Europäischen Gerichtshof, das Arbeitgebern eine Tür öffnete, Frauen aufgrund ihres Kopftuchs diskriminieren zu können. Wir erinnern uns vor allem aber daran, dass wir 2021 stets besorgt waren angesichts der steigenden Angriffe auf Gotteshäuser, Moscheen wie Synagogen. Die Wahrung unserer Religionsfreiheit und der Einsatz gegen antimuslimischen Rassismus sollte künftig ein stärkerer Fokus in unserer Gesellschaft sein.

Das Jahr 2021 wird wahrscheinlich den meisten Menschen nicht positiv in Erinnerung bleiben. Für uns als gläubige Menschen ist es dennoch wichtig, stets auf die göttliche Weisheit, Barmherzigkeit und Vorherbestimmung zu vertrauen. Im Koran heißt es: “Gedenkt Meiner, so gedenke Ich eurer. Seid mir dankbar und seid nicht undankbar gegen Mich!” (2:152) Krisenzeiten stellen unsere Verbindung zu Allah auf die Probe, können uns aber auch helfen, Dankbarkeit für all jene Gaben zu empfinden, die wir zuvor für selbstverständlich hielten. Die Deutsche Muslimische Gemeinschaft blickt nun auf ein kommendes Jahr, in dem wir hoffentlich mehr Normalität zurückgewinnen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Möge Allah uns allen Freiheit, Gerechtigkeit und Gesundheit schenken und das Jahr 2022 mit Erfolg für unsere Gemeinschaft segnen!