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Moria: Menschlichkeit und Bürokratie

12.000 Menschen stehen vor dem Nichts. Was bedeutet das für uns?

“Menschenwürde gilt über nationale Grenzen hinweg”, sagte DMG-Präsident Khallad Swaid zu den Bränden im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, auf der nun über 12.000 geflüchtete Menschen vor dem Nichts stehen, “die Würde ist unantastbar, unverhandelbar, gottgegeben. Es ist unsere Aufgabe, sie zu schützen und zu respektieren.”

Menschenleben zu bewahren, muss Ziel der internationalen Verhandlungen und keine austauschbare Variable im politischen Kalkül sein. Angesichts der immer komplexeren globalen Herausforderungen, ist es unverzichtbar, uns auf die Aufgabe als Statthalter Gottes auf Erden zu besinnen. Unserer Verantwortung werden wir erst gerecht, wenn wir die Menschheit als Einheit begreifen und sie entsprechend einer wertschätzenden Lebensphilosophie behandeln. Prinzipien wie Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit müssen unserem Handeln auch in der Praxis auf persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene einen Rahmen geben.

Wir freuen uns, dass in unserer Gesellschaft der Mut zur Solidarität ungebrochen zu sein scheint. Muslimische Institutionen, insbesondere die Moscheegemeinden, sind nun aufgefordert, sich dieser Solidarität weiterhin anzuschließen und ihrer Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger unseres Landes nachzukommen. Wir sind es den kommenden Generationen schuldig, unser moralisches Handeln nicht durch Egoismen trüben zu lassen. Ansonsten geraten wir schließlich dazu, dass engagierte und hilfsbereite Menschen für ihr moralisches Handeln in einen Rechtfertigungszwang gedrängt werden. In Zeiten humanitärer Krisen ist kein Platz für eine “alternative” oder “selektive” Moral, die entweder nur Kinder retten möchte oder gar die Geflüchteten selbst für ihre Lage verantwortlich macht.

Berlin, den 11.09.2020